Willkommen auf meinem Weblog

Fotografie, Literatur, die deutsche Sprache, die Verbesserung meiner englischen Sprachkenntnisse, Museen und Ausstellungen, Theater, Kochen und Backen sind meine Interessen. Und dazu noch dieses und jenes, je nach Tagesaktualitäten und persönlichen Erlebnissen. Hinzu kommen der Spaß am Verfassen von Texten und die alltäglich gewordene Nutzung der Informationswelt des Internet.

Sonntag, 26. November 2017

Ich bin umgezogen...

Mein Blog wird fortgeführt als "Hirnzeichen": hirnzeichen.blogspot.de

Sonntag, 6. Dezember 2009

Na, wo wohl?

Das Hamburger Abendblatt fragt in seiner Wochenendbeilage magazin vom 5./6.12.2009 auf der Rätselseite, wo in Hamburg ein steinernes Gör frech sein Hinterteil entblößt. "Irgendwo in Hamburg. Nur wo?", steht neben dem Foto.

Den Knaben hatte ich schon längst entdeckt, nämlich hier.

Hummel, Hummel?

Mors, Mors!

Donnerstag, 6. November 2008

Aufwärts auf der Rutschbahn der Politik

Die Wahl in Amerika ist gelaufen. Obama hat es geschafft, und mit ihm ein neues Modewort. Radio, Fernsehen, Zeitung, alles ist voll von Obama und seinem

Erdrutschsieg.

Als 1976 Jimmy Carter zum US-Präsidenten gewählt wurde, hätte über einen Erdnuss-Sieg gescherzt werden können, denn der Kandidat war Farmer und baute die Hülsenfrüchte in großen Plantagen an.

Aber bei einem Erdrutsch bricht zuerst der Boden weg, und dann geht es mit Karacho steil bergab. Das ist Obama nicht passiert. Man kann erdrutschartig verlieren, aber nicht gewinnen.

Streng genommen. Bei der Übernahme von Anglizismen sollte man aber nicht immer so genau hinsehen. Denn im Englischen gibt es ihn schon lange, den Begriff landslide victory (wörtlich: Erdrutschsieg) für einen überragenden Wahlsieg.

Das Hamburger Abendblatt wies übrigens schon vor einem halben Jahr auf die Verdrehung des Wortsinns hin. Damals ging es nicht um so etwas Weltbewegendes wie die Wahl des amerikanischen Präsidenten, sondern um die Bürgermeisterwahl im schleswig-holsteinischen Pinneberg. Da hatte die Lokalredaktion sprachlich die Nase vorn.

Die Kinder auf dem Spielplatz klettern erst auf das Gerüst, um dann von oben mutig abzurutschen. Wie im Winter auf der Eisbahn kommt es bei Wahlen gelegentlich zu Ausrutschern, und jetzt auch zu Aufrutschern.

Freitag, 18. April 2008

Auf Tuchfühlung mit der Nachbarschaft

Wohnstraßen, allemal in Großstädten, sind oft eng bebaut. Kein Platz wird verschenkt. Ein Haus klebt am nächsten. Wand an Wand.

Die Nachbarschaft auf diesem Foto ist dennoch ungewöhnlich nah.

In Hamburg an der Straße Finkenau haben zwei Wohnhäuser eine Kirche in ihre Mitte genommen. Der scheint das, ihrem strahlenden Portal nach zu urteilen, zu gefallen. Die katholisch-apostolische Kirche ist ein echter Hingucker. Auch die Nachbargebäude brauchen sich nicht zu verstecken. Insgesamt ein sehenswertes architektonisches Ensemble.

Katholisch-apostolische Kirche in Hamburg (Finkenau) auf Google-Maps ansehen.

Mittwoch, 2. Januar 2008

Ein Blumengruß für 2008

Dieser Blumenstrauß stand am Tag vor Silvester plötzlich auf meinem Tisch. Da hat es jemand gut mit mir gemeint.
Danke!
Pünktlich mit dem Jahreswechsel haben sich zur Begrüßung im neuen Jahr 2008 jetzt auch die weißen Kelche geöffnet.


Allen, die hier mitlesen, wünsche ich für 2008 Glück und Erfolg.

Ich habe den guten Vorsatz gefasst, im neuen Jahr wieder aktiver zu bloggen. Das müsste doch zu schaffen sein. Hoffentlich.

Montag, 26. November 2007

Weihnachtslieder

In den vergangenen Wochen wurden sie aufgebaut. Jetzt, Ende November, ist die Zeit reif, die Verkaufsbuden in den Einkaufsstraßen der Innenstadt in Betrieb zu nehmen. Der Nachbar des Kunsthandwerkers verkauft Schmalzgebackenes, gegenüber locken Fischbrötchen und im Kupferkessel nebenan duften frisch gebrannte Mandeln. Das Angebot ist reichhaltig. Glühwein meets Bratwurst. Mittendrin als Blickfang eine liebevoll gestaltete Weihnachtskrippe. Staunende Kinderaugen. Die ersten Weihnachtseinkäufe werden in bunt bedruckten Tüten nach Hause getragen. Klirrende Kälte unterstreicht die vorweihnachtliche Stimmung.

Fröhliche Musik klingt über den Platz. Fünf Straßenmusikanten haben sich eingefunden. Die Combo spielt auf Akkordeon, Gitarre, Klarinette und Trompete muntere Lieder. Der fünfte Mann gibt auf einer Trommel den Takt an. Als ich ankomme, wird gerade Guantanamera zum Besten gegeben, die weltbekannte kubanische Melodie, auf die vor einigen Jahren die Einmaligkeit des Fußballspielers Rudi Völler gepriesen wurde. Darauf folgt das mexikanische Revolutionslied La Cucaracha. Nichts von klingenden Glöckchen und leise rieselndem Schnee. Ein kleiner Junge beschwert sich darüber bei seinen Eltern. Er wolle Weihnachtslieder hören. Der Vater geht zur Kapelle und wechselt ein paar Worte mit dem Trommler. Zurück bei Frau und Kind erstattet er Bericht: "Ich habe ihn gebeten, mal was anderes zu spielen. 2 Euro habe ich ihm dafür in die Hand gedrückt. Das wird ja wohl reichen." Tatsächlich wird dann das Programm geändert, nur leider immer noch nicht wie erhofft. Norddeutsche Weihnachtslieder gehören offenbar nicht zum Repertoire, denn auf karibisches Liedgut folgt orientalisches, vermutlich ein Weihnachtslied vom Bosporus. In dieser Umgebung nicht ganz stilecht, aber schön war es trotzdem.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Abholschein

Hilflos wanderte ihr Blick kreuz und quer über die Bücherwand. Zwischendurch sah sie immer wieder auf den Zettel in ihrer Hand. Sie war ratlos. Warum in dieser Buchhandlung auf den Abholscheinen nicht der Titel vermerkt wurde, sondern nur eine vierstellige Nummer, hatte ich mich schon bei der Bestellung gefragt. Das System erscheint verbesserungswürdig.

Da sie nicht wusste, wonach sie suchte, äußerte sie eine Vermutung: "Soll das ein Harry Potter sein?".

"Nein", antwortete ich, wobei ich mich fragte, warum ich ausgerechnet den hätte bestellen sollen, wenn doch am Eingang ein Tisch mit allem aufgebaut war, was die Anhänger des zaubernden Knaben sich wünschen. Bücher, gedruckt und vertont, dazu die passenden Kalender für die Wand oder die Schultasche, und das stapelweise. Alles vorrätig und zum Mitnehmen. Bestellen unnötig. Außerdem wusste ich bisher nicht, dass hier Bestsellerpflicht bestand.

"Was denn sonst?" Sie schien verwundert, mal keinen Harry Potter loszuwerden. Warum eigentlich? Wir waren doch nicht bei Flourish & Blotts, der Zauberbuchhandlung in der Winkelgasse, in der alle Hogwarts-Schüler ihre Schulbücher kaufen, während sich ihre Eltern im Tropfenden Kessel berauschenden Zaubertränken hingeben.

Mit den Worten "König von Albanien" löste ich das Rätsel auf.

"Das kenne ich nicht", gestand die Verwalterin der bestellten Bücher, "aber ich kann ja mal schauen, ob es heute geliefert worden ist." Ihre Hände und ihr Kopf verschwanden in einem Karton von den Ausmaßen einer Schatzkiste aus den Verliesen der Zaubererbank Gringotts. Als sie wieder auftauchte, wedelte sie stolz mit ihrer Beute: "Da isses!".

Na also, das hat dann doch noch geklappt. Die Frau hat das Buch herbeigezaubert. Die Buchhandlung sollte statt Abholscheinen besser Glaskugeln verwenden, wenn sie Hogwarts-Absolventen beschäftigt. Die können damit mehr anfangen als mit Nummernzetteln.

Sie verpackte das Buch in einer Tragetasche mit buntem Harry-Potter-Aufdruck. "Wenn Sie schon keinen Harry Potter kaufen, kriegen Sie jetzt wenigstens die Tüte dazu."

Damit bin ich dann nach Hause spaziert. "Zauberhaftes Lesevergnügen!", steht auf dem Beutel. Das werde ich hoffentlich auch mit Otto Wittes Abenteuern haben, der 1913 mal für fünf Tage König von Albanien war.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Uhrwerksversagen

Ein Sprecher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) hat verkündet, die Umstellung von der Sommerzeit auf die mitteleuropäische Normalzeit in der vergangenen Nacht sei wie immer problemlos verlaufen.

Irrtum! Bei mir nicht.

Damit meine ich nicht die Auswirkungen auf die innere Uhr, sondern das Schicksal meiner Küchenuhr. Die hat die Aktion nicht überlebt. Um ihre Anzeige der jetzt wieder geltenden Mitteleuropäischen Zeit anzugleichen, habe ich sie von der Wand genommen. Das Zifferblatt und die Zeiger selbst sind nicht zugänglich, das Gehäuse kann nicht geöffnet werden. Deswegen habe ich die Zeiger mit dem Rädchen an der Rückseite um eine Stunde zurückgedreht. Dabei bin ich sehr vorsichtig zu Werke gegangen, wirklich äußerst behutsam, denn ich wollte nicht mehr stören als unvermeidlich. Ist doch klar, dass Uhren leiden, wenn ihnen zweimal im Jahr das Innerste verdreht wird. Als ich die Uhr danach wieder an den Haken hängte, hat sie sich endgültig verabschiedet. Der kleine Zeiger plumpste nach unten, wo er unter letzten Zuckungen zum Stillstand kam. Jetzt baumelt er schlaff über der Sechs und spielt nicht mehr mit. Auch der Sekundenzeiger hat sich abgemeldet, kurz nach halb, höher hat er es nicht mehr geschafft. Der große Zeiger klemmt bei der Zehn. Jahrelang war die Küchenuhr für mich da, aber bei der Zeitumstellung ist es passiert. Totalausfall. Exitus. Ein treues Uhrwerk tickt nicht mehr.

Meine Uhr hat bei der Umstellung das Zeitliche gesegnet.
Ist das etwa problemlos?

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Schöne Stunden im Pantoffelkino

Der Verkäufer bei den Küchenmessern rief, als ich an ihm vorbeiging, laut durch die Abteilung: "Weiß jemand, wie der Film heißt, den ich am Sonnabend gesehen habe?" Woher sollte ich das wissen? "Keine Ahnung!" erwiderte ich im Vorübergehen.

Ich schlafe oft bei Filmen ein. Passiert mir das zu Hause, fällt dabei meistens die Fernbedienung auf den Boden. Im Kino ist die Sache gefährlicher, denn eine Tüte Popcorn und ein Becher mit Bier hinterlassen beim Runterfallen weitreichende Spuren. Da passe ich dann schon besser auf.

Dem Mann mit den Messern passiert sowas nicht. Er hält die Augen offen, merkt sich aber noch nicht einmal, welcher Film vor ihm ablief. Ich weiß hinterher immerhin noch, wobei ich eingeschlafen bin.

Seine Kollegen fertigten den ratlosen Herrn der Klingen nicht so kurz ab wie ich.

Von den Bratpfannen rief eine Verkäuferin: "War das ...?" Den Titel, den sie nannte, habe ich vergessen, aber der half ja auch nicht weiter. Der Liebhaber namensloser Filme wehrte ab: "Wenn ich das wüsste, hätte ich doch nicht zu fragen brauchen."

Hinter aufgestapelten Vorratsbehältern aus Kunststoff krähte ein Mann: "Meinst Du den mit der Autobahnbrücke und dem Sportwagen, der über das Geländer flog?" Der Mann war offenbar kleiner als der Dosenstapel, denn man sah ihn nicht.

"Nein, sowas kam darin nicht vor", antwortete der Messerverkäufer.

"Oder war es der mit diesem knackigen Schauspieler mit den stahlblauen Augen, dem unwiderstehlichen Blick und dem Waschbrettbauch?", fragte eine Kundin mit einer Pfeffermühle in der Hand.

Die Porzellanfachverkäuferin schien den Traummann zu kennen. Sie pfiff anerkennend. Alle drehten sich zu ihr um. Sie errötete.

Die für die Kuchenformen zuständige Dame forderte: "Dann erzähl uns doch mal, was in dem Film so los war."

"Das fällt mir nicht mehr ein, auch wenn ich noch so scharf darüber nachdenke."

"Du kennst weder den Titel noch den Inhalt? Das erkläre uns bitte mal!" Der Topfberater klapperte mit den Deckeln.

"Der Film war so langweilig. Ich habe schon nach einer Viertelstunde nicht mehr hingeguckt. Am liebsten wäre ich ins Bett gegangen."

"Und warum hast Du es nicht getan?"

"Weil meine Frau darauf bestanden hat, dass wir endlich mal wieder zusammen einen Film ansehen."

"Dann frag doch Deine Frau."

"Geht nicht, die hat gerade angerufen und mich gefragt."

"Warum fragt denn ausgerechnet Deine Frau danach? Die hat den Film doch selbst gesehen."

"Ja, eigentlich schon. Aber sie war leider eingeschlafen. Das hat sie mir eben gebeichtet."

Montag, 8. Oktober 2007

Pümpel mit Ü

Am vergangenen Sonnabend meldete sich Thomas Gottschalk mit Wetten, dass ..? aus der Sommerpause zurück. Die wird auch immer kürzer. Oder kommt mir das nur so vor?

Als ich beim Zappen mal wieder da landete, wedelte gerade ein Kandidat mit Gummisaugern herum und erklärte, dass er damit mal nicht den Abfluss reinigen, sondern nackte Männerrücken bewerfen wollte. Da sollten sie sich dann festsaugen. Pömpel-Dart nannte er das. Na meinetwegen.

Aber wieso Pömpel? Kaum im Fernsehen, schon ist die Presse voll von Pömpel-Beiträgen. Dadurch wird das auch nicht richtiger. Das heißt Pümpel. Wie denn sonst?

Regionale Eigenarten gibt es natürlich überall. Den Pömpel rechnet der Vlothoer Anzeiger dem Wortschatz der Ostwestfalen zu. Da gehört er dann auch hin. Aber der Duden verzeichnet das Ding als Pümpel. Und dabei hätte es das bundesweit ausgestrahlte Wetten, dass ..? doch gern belassen können. Auch der Wortschatz der Universität Leipzig kennt den Pömpel nicht, sondern den Pümpel. Und bei Google verliert der Pömpel mit 54.800 Treffern chancenlos gegen den Pümpel mit 78.900 Treffern. Na also. Dass der Duden den Pümpel in Klammern als norddeutsch bezeichnet, ändert an alledem nichts. Immerhin schreibt auch die Mittelbayerische heute von Pümpeln. Und die kann wohl beim besten Willen niemand norddeutsch nennen. Wegen einer Unterhaltungssendung werde ich meinen Duden nicht ändern.

Der Pümpel scheint Beistand zu brauchen, um sich zu behaupten. Da kann er von Glück sagen, dass es dafür schon einen Verein gibt. Die Ersten Pümpelfreunde Hannover und Umland (EPHAU e.V., gesprochen: efau efau) kümmern sich um ihn. Weiterhin viel Erfolg dabei.

Aromen für Herbst- und Winterabende

Die Tage werden kürzer, die Abende länger. Das ist die Jahreszeit für würzige Tees, Glühwein und andere duftende Heißgetränke, für aromatische Süßspeisen und winterliches Backwerk. Dafür habe ich mir Vanilleschoten und Zimtstangen bestellt, bei einem Spezialversand, der mehr Aroma verspricht als bei Industrieware.

Sonst kommt der Postbote immer erst gegen 11. Also noch schnell aufs Klo. Heute kam er um 10. Typisch. Jetzt darf ich mir die Lieferung von der Post abholen. Hoffentlich rücken die das Zeug da wieder raus. So gut hat es am Abholschalter nämlich bestimmt schon lange nicht mehr gerochen.

Mittwoch, 5. September 2007

Ein Visum ins Gluck

Auf kolumnen.de berichtet Guido Grigat über die Hoffnungen der Maria aus St. Petersburg. Sie baggert ihn an. Eine ellenlange E-Mail hat sie ihm geschrieben. Wer sie ist, was sie so macht, und welche Vorstellungen sie hat von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm. Viele vor ihm werden das Angebot möglicherweise leichtfertig als Spam gelöscht haben. Den Fehler macht Guido Grigat nicht.

So gewohnlich, wie die Maria von sich selbst meint, ist sie doch gar nicht. Dass ihre munteren Worte jede Schreibblockade kurieren können, ganz ohne Pillen, rein homöopathisch, hat ihr vermutlich noch niemand gesagt.

Aber an ihr ist noch mehr dran.

Wer zugreift, kriegt als Zugabe brauchbare Schwiegereltern mitgeliefert. Ein Handwerker in der Familie kann nie schaden. Wenn Väterchen russische Lokomotiven reparieren kann, dann wird er bestimmt auch mit der hakenden Klospülung fertig. Und die Schwiegermutti bringt auch was mit. Die liegt auf der staatlichen Rente. Nicht zu verachten. Die Rente ist sicher, das hat der Norbert Blum schon immer gesagt.

Wenn es später mal gemeinsam mit Maria auf Heimaturlaub geht, kann alles mit dem Zug erkundet werden. Zum halben Fahrpreis. Der Papi wird das schon regeln mit seinem Personalrabatt. Man wird dann sehen, ob Nordvenedig schöner ist als das südliche. Worauf dieser romantische Name für die (nach Marias Zählweise:) zweite russische Stadt beruht, kann vor Ort geklärt werden. Irgendwas müssen die Städte ja gemeinsam haben. Vielleicht sind es die Gondeln, die Mafia, die Taubenscheiße. Oder ganz was anderes?

Urlaube in Deutschland werden auch billiger, denn mit Maria kann man sich ganz komfortabel bei der besten Freundin einnisten. Die hat sich schon den richtigen deutschen Mann geangelt, und dabei das große Geld, das Business und seine Firma gleich mit. Die Gluckliche. In der befreundeten Villa im Süddeutschen lässt es sich bestimmt gut ein paar Wochen aushalten, mit Butler, Park und Swimmingpool. Da kann man in Baden-Baden baden gehen. Gute Erholung.

Trotz allem wäre ich skeptisch, denn irgendwo hat doch alles einen Haken. Maria schreibt, der Mann ihrer Freundin habe ihr geholfen, ihr Visum zu machen. Meint sie damit wirklich ein Einreisepapier? Schwer vorstellbar, denn mit einer kleinen Fälscherwerkstatt im Hinterhof hat es noch niemand zu Wohlstand und Reichtum in Baden-Baden gebracht. Wer weiß, wobei ihr der gute Mann geholfen hat. Nachher liegt die Sache ganz anders, und Visum entpuppt sich als russischer Vorname. Und dann kommt Maria hier an, mit dem kleinen Visum auf dem Arm. Na sdorow'je.

Montag, 3. September 2007

Kurios: Kratzende Kunstwerke

Der Sommer 2007 reichte an den des Vorjahres nicht annähernd heran. Solch rosarote Brillen, die man aufsetzen müsste, um das so zu sehen, gibt es gar nicht. Nicht nur das trostlose Schmuddelwetter der vergangenen Monate ließ dieses Jahr dabei so schlecht abschneiden. Auch sonst fehlte das gewisse Etwas im Vergleich zum märchenhaften Sommer 2006. Aber eine Fußball-WM war nun mal nicht schon wieder im Angebot.

Die Engländer haben die Initiative ergriffen und sich ihr eigenes Highlight geschaffen. Hauptsache Weltmeisterschaft. Da gibt es doch noch ganz andere Wettstreite als immer nur Fußball. Man muss sich nur was Ausgefallenes einfallen lassen. Und für Kuriositäten sind die Briten ja bestens bekannt. Sie trinken Bier ohne Schaum. Zum Frühstück essen sie fette Bratwürste mit Bohnen. Außerdem fahren sie auf der falschen Straßenseite, was nur deshalb nicht in einer Katastrophe endet, weil das auf der Insel ausnahmslos jeder so macht. Und das sind nur einige ihrer Eigenheiten.

Bei so viel Fantasie zum Absonderlichen fand sich selbstverständlich auch eine Weltmeisterschaft, um dem Sommer zu einem strahlenden Abschluss zu verhelfen. Lustig wird es zugegangen sein auf der Bart-WM im englischen Brighton am vergangenen Sonnabend. Die Sportsmänner haben sicherlich stundenlang vor dem Spiegel gestanden, um möglichst weit oben auf dem Siegertreppchen zu stehen. Wahre Kunstwerke entstanden, dass es eine Freude ist. Gekämpft wurde in 17 Kategorien. Die deutschen Teilnehmer waren außerordentlich erfolgreich. Sie konnten zehn Trophäen mit nach Hause nehmen. Das muss gefeiert werden, was nicht unbedingt so weit gehen muss, wie bei der Fußball-WM 2006 mit einem Meer von Fahnen an Autos und Balkonen. Es wäre schließlich schade drum, wenn jemand seinen liebevoll gestylten Bart in den Landesfarben coloriert und anschließend aus dem fahrenden Auto hängt.

Freitag, 24. August 2007

Wird jetzt auch noch das Kleingeld teurer?

Das frühere "Haste-ma-ne-Mark?" wurde mit der Umstellung auf den Euro zunächst von der Frage abgelöst: "Können Sie mir vielleicht mit etwas Kleingeld aushelfen?" Nicht alles ist damals teurer geworden. Das hier wurde sogar billiger, jedenfalls bei entsprechendem Verständnis des Begriffs Kleingeld. Doch schon bald wurde 1:1 umgerechnet: "Haben Sie mal einen Euro für mich?" Jetzt gerät auch dieser Kurs ins Wanken. In einer Fußgängerzone wurde ich heute zum ersten Mal gefragt: "Haben Sie mal einen oder zwei Euro für mich?" Damit ist eine neue Tarifrunde eingeläutet worden, die allerdings vorerst gescheitert ist. Bei dem Preis wollte ich mit Kreditkarte zahlen. Darauf war sie technisch nicht eingerichtet. Mal abwarten, ob bald alle mit Lesegeräten ausgestattet sind.

Freitag, 10. August 2007

Ein Geschenk für Weltenbummler

"Wenn Sie schon etwas so Tolles verschenken," lobte mich die Kassiererin, während sie das von ihr kunstvoll dekorierte Päckchen in der edlen Tragetasche versenkte, "sollen Sie dafür natürlich auch belohnt werden." Dabei griff sie in die Schublade mit den Zugaben. Kein Einkauf in einer Parfumerie ohne Probierfläschchen. Die erste Belohnung war ein kleines Reagenzglas mit Stöpsel. Der neueste Herrenduft von einem Menschen mit einem klangvollen Namen, den ich allerdings noch nie gehört hatte. Und dazu gab es mal was ganz anderes: einen ledernen Kofferanhänger. "Darauf können Sie, wenn Sie verreisen, Ihren Namen schreiben und Ihre Anschrift," wurde mir erklärt. So hatte ich es mit Kofferanhängern bisher auch immer praktiziert. "Oder Sie sprühen Ihren Lieblingsduft darauf, um Ihr Gepäck besser finden zu können," riet mir die selbst intensiv duftende Kassiererin dann noch. Ich grinste freundlich, obwohl mir der Scherz reichlich an den Haaren herbeigezogen zu sein schien.

Neugierig holte ich das Ding schon am Ausgang aus der Tüte und sah es mir näher an. Ein Aufkleber auf der Verpackung zeigte eine Zeichnung mit der Gebrauchsanweisung. Aus einem stilisierten Sprühkopf schossen gepunktete Linien direkt auf das Etikett des Anhängers. Das war kein Scherz. Dieser Anhänger war tatsächlich als Duftmarke vorgesehen.

Dass jemand sein Gepäck auf dem Laufband in der Ankunftshalle erschnüffelte, habe ich noch auf keinem Flughafen beobachtet. Das könnte das Personal auch zu seltsamen Reaktionen veranlassen. Im günstigsten Fall fordern die dann ärztliche Hilfe an. Ob so ein Kofferanhänger mit Geruch bei den strengen Sicherheitsvorschriften überhaupt zulässig ist, kann bezweifelt werden, denn die Spürhunde der Sicherheitsdienste sollen sich auf ganz andere Aromen konzentrieren. So aber werden sie abgelenkt. Ich sehe schon Polizeihunde in Hundertschaften die Parfumerien stürmen, weil sie auf den Geschmack gekommen sind.

Mittwoch, 1. August 2007

Nochmal ÖPNV - Ein Erlebnis im Bus

Vorhin saß ich in einem Linienbus, der mich durch mir unbekanntes innerstädtisches Terrain chauffierte. Früher Nachmittag. Nur wenige Fahrgäste. Der feierabendliche Ansturm hatte noch nicht eingesetzt. Ruhe im Bus. Bis an einer Haltestelle eine Gruppe fröhlicher Jungen das öffentliche Verkehrsmittel stürmte. Die waren so ausgelassen, dass sie sich vor lauter Lustigkeit spontan auf den Boden warfen. Der Mittelgang und die zu dieser Zeit gerade kinderwagenfreie Abstellfläche an der Hintertür waren vollständig mit flach auf dem Boden liegenden Knaben bedeckt. Ein bis zwei Minuten brauchte ich, um zu begreifen, um was es ging. Und dann sah ich draußen auf dem Gehweg eine Horde Jungen im gleichen Alter, schwitzend und hechelnd im Dauerlauf, begleitet und angetrieben von ihrem Fußballtrainer. Ausdauertraining. Und neben mir lagen die Monatskarteninhaber des Vereins. Die hatten die Abkürzung gewählt, und pressten sich auf den Boden, um nicht gesehen zu werden.

Wir hatten, das ist Jahrzehnte her, in der Schule einen Sportlehrer, der uns gerne an einem Kanal entlanglaufen ließ. Beim Sportplatz ging das los, unter drei Brücken hindurch, über die vierte rüber und dann auf der anderen Seite zurück. Der Lehrer fuhr dabei mit seinem Auto (70er-Jahre, da fuhren Lehrer VW-Käfer) vom Sportplatz jedes Mal zu einer anderen Brücke, um die Leute zu überraschen, die zur Abkürzung den Kanal vorzeitig überquerten. Deswegen hatten wir keine Chance, ihn anzuschmieren. Bis auf eine, aber die war ziemlich ungemütlich, und ich kann mich nur an einen Fall erinnern, als ein Mitschüler die kalte und eklig braune Brühe des Stadtgrabens kurzerhand durchschwamm. Und das war noch einer der sportlichen, dem der ganze Lauf nichts ausmachte. Aber er wollte dem Lehrer die Lücke in seinem System zeigen, was den so gewurmt hat, dass er künftig seinen Käfer stehen ließ und immer mitlief. Immerhin eine sportliche Reaktion.

Übrigens hat unser Lehrer die Schwimmeinlage nicht übelgenommen, denn Schwimmen ist schließlich auch Sport. Bei der Benutzung eines Linienbusses hätte ich ihn allerdings nicht erleben mögen. Sportunterricht ist schließlich keine Formel 1.

Samstag, 28. Juli 2007

Ferngespräch im ÖPNV

Noch vor wenigen Jahren verzog sich fast jeder in stille Winkel, um zu telefonieren. Der Apparat stand zu Hause, in der Wohnung, wo man sich vor ungebetenen Lauschern sicher fühlte. Oder im Büro, wo die Kollegen schon deswegen nichts mitbekamen, weil sie selbst telefonierten. Wer dringend von unterwegs Kontakt aufnehmen musste, verschwand in einer Telefonzelle. Die war zwar gläsern, aber dafür so schalldicht, dass niemand aus der Schlange der davor Wartenden etwas davon mitbekam, was drinnen gesprochen wurde.

Das hat sich geändert, seit es Mobiltelefone gibt. Zu Hause telefonieren ist langweilig geworden. Telefonzellen sind aus dem Stadtbild verschwunden. Aber so ziemlich jeder, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, telefoniert. Manch einer dem Anschein nach sogar ununterbrochen. Und kaum jemand ist noch bestrebt, niemanden mithören zu lassen. Im Gegenteil: Möglichst laut und deutlich wird gesprochen, so als ob die Aufmerksamkeit anderer geradewegs gesucht wird.

Besonders beliebt sind Ferngespräche in öffentlichen Verkehrsmitteln, bevorzugt in der U-Bahn. Gestern musste (nicht konnte oder durfte, sondern musste) ich Ohrenzeuge eines Gesprächs eines ziemlich jungen weiblichen Wesen werden, das, wie sich aus ihren Worten ergab, gerade ihre Schulzeit beendet hatte. Sie saß auf der anderen Seite des Mittelganges, gut einen Meter von mir entfernt, und ging, mit wem auch immer, die Liste aller Mitschüler durch. Tatsächlich nur die männlichen, denn die weiblichen interessierten in den erörterten Zusammenhängen wirklich nicht. Knabe auf Knabe wurde durchgehechelt, wie er denn so sei, und wie er damals ... (was dann meist unverständlich blieb, weil es in kreischendem Lachen unterging). Außerdem informierte meine Mitreisende eingehend über die weitere Lebensplanung der jungen Herren. Von einem wurde der Besatzung des U-Bahn-Waggons mitgeteilt, der gehe nach Spanien, in einen Ferienclub, um da Geld zu verdienen, als Amateur. Recht so, immer schön bescheiden, erst mal klein anfangen, als Amateur. Die Profilaufbahn wird sich später schon noch ergeben. Schließlich wurde klar, dass meine ÖPNV-Mitreisende mit etwas weiblichem sprach. Sie schlug nämlich vor, man könne doch mal wieder zusammen ausgehen, und zwar "ohne Männer und so". Unter Männern kann ich mir etwas vorstellen, aber was ist "und so"? Ich weiß es nicht. Das ist eines der Rätsel, die nach U-Bahn-Fahrten ungelöst bleiben.

Eigentlich ist es an der Zeit, dass ich bald mal wieder meine Nummer abziehe. Mitten in der vollbesetzten U-Bahn das Handy ans Ohr nehmen, und dann laut rufen: "Ja, könnt Ihr denn nicht einmal etwas ohne mich entscheiden!" Das wirkt immer. Damit kriegt man jeden U-Bahn-Wagen ruhig, mag er auch noch so überfüllt sein. Und dann können die anderen rätseln, was für ein wichtiger Mensch ich sein mag.

Freitag, 20. Juli 2007

Mittagsruhe

Wenn ich sie nicht rein zufällig hätte heranfliegen sehen, wäre sie mir bestimmt gar nicht aufgefallen. Mit einem Affenzahn kam sie an und landete im Sturzflug im Strauch vor meinem Fenster. Ihr Tarnanzug machte sie aus meinem Abstand von geschätzt gut zwei Metern mit bloßem Auge unentdeckbar. Erst nach einigem Suchen durch das voll herangezoomte Objektiv meines schnell herbeigeholten Fotoapparates fand ich sie wieder. Eine Libelle machte ein Nickerchen zur Mittagszeit, ein mitten in der Großstadt wohl eher seltener Gast. Mir ist da jedenfalls noch keine begegnet.


Dafür, dass ich die Fotos aus der freien Hand aufgenommen habe, bin ich damit eigentlich ganz zufrieden. Insgesamt habe ich fünf Bilder geschossen, dieses hier eingeschlossen. Die komplette Serie kann hier angesehen werden.

Ich bin kein Insektenkundler, habe mich aber im Internet mal ein wenig umgesehen. Es gibt jede Menge Libellenarten. Bei diesem Exemplar könnte es sich um eine blaugrüne Mosaikjungfer handeln.

Libellenlinks:
http://de.wikipedia.org/wiki/Libellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Blaugr%C3%BCne_Mosaikjungfer
http://www.biologie.uni-ulm.de/bio3/public_html/A_cya.html
http://www.augenblicke-eingefangen.de/libellen.php

Sonntag, 8. Juli 2007

Berlin ist eine Reise wert

Als Berlin noch geteilt war, warb der westliche Teil der Stadt mit diesem Slogan um Besucher. Schandmäuler fügten damals garstig hinzu: "Aber auch nur eine." Heute ist das anders. Die Stadt hat sich verändert. Die Reise dorthin auch. Wenn ein Zugbegleiter in mundartlich heiterem Englisch "Berlin Hauptbahnhof" als nächsten Halt ankündigt, und sich dabei auch noch bedankt: "Tsänk you foor dräffelink wis Doitsche Bahn", dann war schon diese Lautsprecheransage allein die Reise wert. Wer dann trotzdem noch aussteigt, sollte überlegen, ob er hier nur einen Sicherheitsabstand zu den Zügen einhalten will, oder, weitreichender als anderswo, sogar vom ganzen Gebäude. Vorsicht an der Bahnhofskante! Schließlich ist da schon mal was runtergefallen. Den größten Kreuzungsbahnhof Europas habe ich aus sicherer Entfernung fotografiert. Das Original schien mir gerade zu sein. Deswegen liegt die schräge Darstellung der senkrechten Stahlträger auf dem Bild hoffentlich nur am optischen Effekt stürzender Linien bei der Architekturfotografie. Diese perspektivische Verzerrung herkömmlicher Kameraobjektive soll ja angeblich nur zu vermeiden sein, indem man möglichst überhaupt keine Gebäude fotografiert. Außer, wenn es gar nicht anders geht, weil man eins verkaufen will. Für die Immobilienanzeige. Manche Gebäude sind allerdings wirklich schief. Aber wer weiß das schon? Das kann ja auch am Foto liegen.

Berliner Hauptbahnhof auf Google-Maps ansehen.

Mittwoch, 20. Juni 2007

Wirtschaftsförderung

Heute stöberte ich in einem Geschäft mit einer reichhaltigen Auswahl an Badezimmerzubehör. Ein Set mit zwei Drahtkörben gefiel mir. Die können ganz ohne Bohrlöcher und Schrauben, nur mit Saugnäpfen, also im Rahmen meiner handwerklichen Fähigkeiten, an den Wandfliesen befestigt werden. Ich ging damit zur Kasse. Dahinter stand eine freundliche Dame, vor einer in ihrer ganzen Höhe mit Kaffee gefüllten Regalwand. Ein Sanitärfachgeschäft mit Kaffeeabteilung? Oder umgekehrt?

Als ich den Karton zum Bezahlen auf den Tresen legte, wurde mir, ohne dass ich mich danach erkundigt hätte, mitgeteilt, dass die beste Kaffeesorte gerade im Angebot sei. Ob ich da nicht zugreifen wolle. Das sei zuviel der Ehre, entgegnete ich, dafür sei ich zu bescheiden. Für mich käme bestenfalls die zweitbeste Bohne in Frage. In welchem Preissegment denn die angesiedelt sei. Worauf ich erfuhr, dass man gar keinen zweitbesten Kaffee im Sortiment habe. Nur besten. Und milden. Und koffeinfreien. Und handverlesenen. Überhaupt eigentlich alle möglichen Sorten. Nur leider keinen zweitbesten. Damit war das Kaffeethema erledigt.

Jetzt wurde ich, wiederum ungefragt, gefragt, ob ich denn schon die Kundenkarte des Unternehmens hätte. Die habe ich nicht. Das musste ich einräumen. Die Dame fand das schade, aber man könne das ja ändern, was ich aber gar nicht wollte. Das fand sie unklug. Zwar koste die Kundenkarte einen Jahresbeitrag von 8 Euro, aber dafür erhielte ich doch immerhin fünf Gutscheine über je 2 Euro, insgesamt als 10 Euro. Der Vorteil liege doch auf der Hand, was ich nicht leugnen konnte. Ich dankte freundlich für das Angebot, wollte aber keine Umstände machen. Der Einfachheit halber, und um ihr Schreibkram zu ersparen, bat ich darum, mir gleich die 2 Euro in bar zu geben. Warum sie das nicht wollte, habe ich nicht verstanden, aber wir fanden auch hier nicht zueinander.

Sichtlich enttäuscht nahm die koffeinangeregte Sanitärzubehörartikelfachverkäuferin jetzt den Karton mit den Wandkörben in die Hand und wandte sich der Kasse zu, sah sich aber vorerst weiterhin außerstande, mir mein Geld abzunehmen. Obwohl sie doch vorher schon einiges Interesse daran gezeigt hatte. Jetzt wollte sie erst einmal meine Postleitzahl wissen. In spannender Erwartung sah sie mich fragend an. Das war mir nun aber beim besten Willen zu hoch. Ich wollte meine Erwerbung doch gleich selbst mitnehmen, und mir nicht zuschicken lassen. Als ich ihr das zu vermitteln versuchte, gab sie mir zu verstehen, das sei wegen der Marktforschung. Dafür brauche sie die Postleitzahl. Überrascht hat mich das nicht, denn in letzter Zeit werde ich immer öfter in immer mehr Geschäften an der Kasse nach meiner Postleitzahl gefragt. Aber ich wollte doch nur die Wandkörbe mit den dazugehörigen Gummisaugern. Keinen Kaffee, keine Kundenkarte, und erst recht keine Durchleuchtung meiner persönlichen Daten. Aber das jetzt mit ihr auszudiskutieren, erschien mir wenig erfolgversprechend. Weil ich aber, und das ja wohl mit Recht, annehme, insoweit nicht der Wahrheitspflicht zu unterliegen, spielte ich diesmal mit. Ich wollte ihr doch wenigstens eine kleine Freude machen. 0-1-9-6-8 gab ich als Postleitzahl an. Reine Phantasie. Aber ihr hat das genügt. Sie lächelte, tippte die Zahlen ein, ich bezahlte und sie verpackte den Karton in einer Tragetüte. Eine Werbezeitschrift mit dem Fernsehprogramm der nächsten Woche gab es gratis dazu.

Wieder zu Hause eingetroffen, habe ich dann geforscht, welchen Ort ich denn zufällig ausgewählt hatte. 01968 ist die Postleitzahl von Senftenberg, das sich mit mehreren Ortsteilen um den Senftenberger See herum erstreckt. Senftenberg liegt im eher strukturschwachen Bundesland Brandenburg. Da habe ich doch eine gute Wahl getroffen. Ob ich diese Postleitzahl jetzt immer angebe, wenn ich mich aus den Klauen der Marktforschung befreien muss? Dann bliebe nur noch abzuwarten, wie lange es dauert, bis die Statistiker deswegen in der Region Senftenberg hohe Kaufkraftreserven vermuten. Vielleicht siedeln sich Handel und Industrie dann verstärkt dort an. Einkaufzentren schießen wie Pilze aus dem Boden, dazu Hotels und Gaststätten, Freizeiteinrichtungen, vielleicht sogar Kaffeegroßröstereien. Eigentlich schade, dass ich Senftenberg gar nicht kenne.

Senftenberg auf Google-Maps ansehen.