Noch vor wenigen Jahren verzog sich fast jeder in stille Winkel, um zu telefonieren. Der Apparat stand zu Hause, in der Wohnung, wo man sich vor ungebetenen Lauschern sicher fühlte. Oder im Büro, wo die Kollegen schon deswegen nichts mitbekamen, weil sie selbst telefonierten. Wer dringend von unterwegs Kontakt aufnehmen musste, verschwand in einer Telefonzelle. Die war zwar gläsern, aber dafür so schalldicht, dass niemand aus der Schlange der davor Wartenden etwas davon mitbekam, was drinnen gesprochen wurde.
Das hat sich geändert, seit es Mobiltelefone gibt. Zu Hause telefonieren ist langweilig geworden. Telefonzellen sind aus dem Stadtbild verschwunden. Aber so ziemlich jeder, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, telefoniert. Manch einer dem Anschein nach sogar ununterbrochen. Und kaum jemand ist noch bestrebt, niemanden mithören zu lassen. Im Gegenteil: Möglichst laut und deutlich wird gesprochen, so als ob die Aufmerksamkeit anderer geradewegs gesucht wird.
Besonders beliebt sind Ferngespräche in öffentlichen Verkehrsmitteln, bevorzugt in der U-Bahn. Gestern musste (nicht konnte oder durfte, sondern musste) ich Ohrenzeuge eines Gesprächs eines ziemlich jungen weiblichen Wesen werden, das, wie sich aus ihren Worten ergab, gerade ihre Schulzeit beendet hatte. Sie saß auf der anderen Seite des Mittelganges, gut einen Meter von mir entfernt, und ging, mit wem auch immer, die Liste aller Mitschüler durch. Tatsächlich nur die männlichen, denn die weiblichen interessierten in den erörterten Zusammenhängen wirklich nicht. Knabe auf Knabe wurde durchgehechelt, wie er denn so sei, und wie er damals ... (was dann meist unverständlich blieb, weil es in kreischendem Lachen unterging). Außerdem informierte meine Mitreisende eingehend über die weitere Lebensplanung der jungen Herren. Von einem wurde der Besatzung des U-Bahn-Waggons mitgeteilt, der gehe nach Spanien, in einen Ferienclub, um da Geld zu verdienen, als Amateur. Recht so, immer schön bescheiden, erst mal klein anfangen, als Amateur. Die Profilaufbahn wird sich später schon noch ergeben. Schließlich wurde klar, dass meine ÖPNV-Mitreisende mit etwas weiblichem sprach. Sie schlug nämlich vor, man könne doch mal wieder zusammen ausgehen, und zwar "ohne Männer und so". Unter Männern kann ich mir etwas vorstellen, aber was ist "und so"? Ich weiß es nicht. Das ist eines der Rätsel, die nach U-Bahn-Fahrten ungelöst bleiben.
Eigentlich ist es an der Zeit, dass ich bald mal wieder meine Nummer abziehe. Mitten in der vollbesetzten U-Bahn das Handy ans Ohr nehmen, und dann laut rufen: "Ja, könnt Ihr denn nicht einmal etwas ohne mich entscheiden!" Das wirkt immer. Damit kriegt man jeden U-Bahn-Wagen ruhig, mag er auch noch so überfüllt sein. Und dann können die anderen rätseln, was für ein wichtiger Mensch ich sein mag.
Willkommen auf meinem Weblog
Fotografie, Literatur, die deutsche Sprache, die Verbesserung meiner englischen Sprachkenntnisse, Museen und Ausstellungen, Theater, Kochen und Backen sind meine Interessen.
Und dazu noch dieses und jenes, je nach Tagesaktualitäten und persönlichen Erlebnissen. Hinzu kommen der Spaß am Verfassen von Texten und die alltäglich gewordene Nutzung der Informationswelt des Internet.
Samstag, 28. Juli 2007
Freitag, 20. Juli 2007
Mittagsruhe
Dafür, dass ich die Fotos aus der freien Hand aufgenommen habe, bin ich damit eigentlich ganz zufrieden. Insgesamt habe ich fünf Bilder geschossen, dieses hier eingeschlossen. Die komplette Serie kann hier angesehen werden.
Ich bin kein Insektenkundler, habe mich aber im Internet mal ein wenig umgesehen. Es gibt jede Menge Libellenarten. Bei diesem Exemplar könnte es sich um eine blaugrüne Mosaikjungfer handeln.
Libellenlinks:
http://de.wikipedia.org/wiki/Libellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Blaugr%C3%BCne_Mosaikjungfer
http://www.biologie.uni-ulm.de/bio3/public_html/A_cya.html
http://www.augenblicke-eingefangen.de/libellen.php
Sonntag, 8. Juli 2007
Berlin ist eine Reise wert
Berliner Hauptbahnhof auf Google-Maps ansehen.
Mittwoch, 20. Juni 2007
Wirtschaftsförderung
Heute stöberte ich in einem Geschäft mit einer reichhaltigen Auswahl an Badezimmerzubehör. Ein Set mit zwei Drahtkörben gefiel mir. Die können ganz ohne Bohrlöcher und Schrauben, nur mit Saugnäpfen, also im Rahmen meiner handwerklichen Fähigkeiten, an den Wandfliesen befestigt werden. Ich ging damit zur Kasse. Dahinter stand eine freundliche Dame, vor einer in ihrer ganzen Höhe mit Kaffee gefüllten Regalwand. Ein Sanitärfachgeschäft mit Kaffeeabteilung? Oder umgekehrt?
Als ich den Karton zum Bezahlen auf den Tresen legte, wurde mir, ohne dass ich mich danach erkundigt hätte, mitgeteilt, dass die beste Kaffeesorte gerade im Angebot sei. Ob ich da nicht zugreifen wolle. Das sei zuviel der Ehre, entgegnete ich, dafür sei ich zu bescheiden. Für mich käme bestenfalls die zweitbeste Bohne in Frage. In welchem Preissegment denn die angesiedelt sei. Worauf ich erfuhr, dass man gar keinen zweitbesten Kaffee im Sortiment habe. Nur besten. Und milden. Und koffeinfreien. Und handverlesenen. Überhaupt eigentlich alle möglichen Sorten. Nur leider keinen zweitbesten. Damit war das Kaffeethema erledigt.
Jetzt wurde ich, wiederum ungefragt, gefragt, ob ich denn schon die Kundenkarte des Unternehmens hätte. Die habe ich nicht. Das musste ich einräumen. Die Dame fand das schade, aber man könne das ja ändern, was ich aber gar nicht wollte. Das fand sie unklug. Zwar koste die Kundenkarte einen Jahresbeitrag von 8 Euro, aber dafür erhielte ich doch immerhin fünf Gutscheine über je 2 Euro, insgesamt als 10 Euro. Der Vorteil liege doch auf der Hand, was ich nicht leugnen konnte. Ich dankte freundlich für das Angebot, wollte aber keine Umstände machen. Der Einfachheit halber, und um ihr Schreibkram zu ersparen, bat ich darum, mir gleich die 2 Euro in bar zu geben. Warum sie das nicht wollte, habe ich nicht verstanden, aber wir fanden auch hier nicht zueinander.
Sichtlich enttäuscht nahm die koffeinangeregte Sanitärzubehörartikelfachverkäuferin jetzt den Karton mit den Wandkörben in die Hand und wandte sich der Kasse zu, sah sich aber vorerst weiterhin außerstande, mir mein Geld abzunehmen. Obwohl sie doch vorher schon einiges Interesse daran gezeigt hatte. Jetzt wollte sie erst einmal meine Postleitzahl wissen. In spannender Erwartung sah sie mich fragend an. Das war mir nun aber beim besten Willen zu hoch. Ich wollte meine Erwerbung doch gleich selbst mitnehmen, und mir nicht zuschicken lassen. Als ich ihr das zu vermitteln versuchte, gab sie mir zu verstehen, das sei wegen der Marktforschung. Dafür brauche sie die Postleitzahl. Überrascht hat mich das nicht, denn in letzter Zeit werde ich immer öfter in immer mehr Geschäften an der Kasse nach meiner Postleitzahl gefragt. Aber ich wollte doch nur die Wandkörbe mit den dazugehörigen Gummisaugern. Keinen Kaffee, keine Kundenkarte, und erst recht keine Durchleuchtung meiner persönlichen Daten. Aber das jetzt mit ihr auszudiskutieren, erschien mir wenig erfolgversprechend. Weil ich aber, und das ja wohl mit Recht, annehme, insoweit nicht der Wahrheitspflicht zu unterliegen, spielte ich diesmal mit. Ich wollte ihr doch wenigstens eine kleine Freude machen. 0-1-9-6-8 gab ich als Postleitzahl an. Reine Phantasie. Aber ihr hat das genügt. Sie lächelte, tippte die Zahlen ein, ich bezahlte und sie verpackte den Karton in einer Tragetüte. Eine Werbezeitschrift mit dem Fernsehprogramm der nächsten Woche gab es gratis dazu.
Wieder zu Hause eingetroffen, habe ich dann geforscht, welchen Ort ich denn zufällig ausgewählt hatte. 01968 ist die Postleitzahl von Senftenberg, das sich mit mehreren Ortsteilen um den Senftenberger See herum erstreckt. Senftenberg liegt im eher strukturschwachen Bundesland Brandenburg. Da habe ich doch eine gute Wahl getroffen. Ob ich diese Postleitzahl jetzt immer angebe, wenn ich mich aus den Klauen der Marktforschung befreien muss? Dann bliebe nur noch abzuwarten, wie lange es dauert, bis die Statistiker deswegen in der Region Senftenberg hohe Kaufkraftreserven vermuten. Vielleicht siedeln sich Handel und Industrie dann verstärkt dort an. Einkaufzentren schießen wie Pilze aus dem Boden, dazu Hotels und Gaststätten, Freizeiteinrichtungen, vielleicht sogar Kaffeegroßröstereien. Eigentlich schade, dass ich Senftenberg gar nicht kenne.
Senftenberg auf Google-Maps ansehen.
Als ich den Karton zum Bezahlen auf den Tresen legte, wurde mir, ohne dass ich mich danach erkundigt hätte, mitgeteilt, dass die beste Kaffeesorte gerade im Angebot sei. Ob ich da nicht zugreifen wolle. Das sei zuviel der Ehre, entgegnete ich, dafür sei ich zu bescheiden. Für mich käme bestenfalls die zweitbeste Bohne in Frage. In welchem Preissegment denn die angesiedelt sei. Worauf ich erfuhr, dass man gar keinen zweitbesten Kaffee im Sortiment habe. Nur besten. Und milden. Und koffeinfreien. Und handverlesenen. Überhaupt eigentlich alle möglichen Sorten. Nur leider keinen zweitbesten. Damit war das Kaffeethema erledigt.
Jetzt wurde ich, wiederum ungefragt, gefragt, ob ich denn schon die Kundenkarte des Unternehmens hätte. Die habe ich nicht. Das musste ich einräumen. Die Dame fand das schade, aber man könne das ja ändern, was ich aber gar nicht wollte. Das fand sie unklug. Zwar koste die Kundenkarte einen Jahresbeitrag von 8 Euro, aber dafür erhielte ich doch immerhin fünf Gutscheine über je 2 Euro, insgesamt als 10 Euro. Der Vorteil liege doch auf der Hand, was ich nicht leugnen konnte. Ich dankte freundlich für das Angebot, wollte aber keine Umstände machen. Der Einfachheit halber, und um ihr Schreibkram zu ersparen, bat ich darum, mir gleich die 2 Euro in bar zu geben. Warum sie das nicht wollte, habe ich nicht verstanden, aber wir fanden auch hier nicht zueinander.
Sichtlich enttäuscht nahm die koffeinangeregte Sanitärzubehörartikelfachverkäuferin jetzt den Karton mit den Wandkörben in die Hand und wandte sich der Kasse zu, sah sich aber vorerst weiterhin außerstande, mir mein Geld abzunehmen. Obwohl sie doch vorher schon einiges Interesse daran gezeigt hatte. Jetzt wollte sie erst einmal meine Postleitzahl wissen. In spannender Erwartung sah sie mich fragend an. Das war mir nun aber beim besten Willen zu hoch. Ich wollte meine Erwerbung doch gleich selbst mitnehmen, und mir nicht zuschicken lassen. Als ich ihr das zu vermitteln versuchte, gab sie mir zu verstehen, das sei wegen der Marktforschung. Dafür brauche sie die Postleitzahl. Überrascht hat mich das nicht, denn in letzter Zeit werde ich immer öfter in immer mehr Geschäften an der Kasse nach meiner Postleitzahl gefragt. Aber ich wollte doch nur die Wandkörbe mit den dazugehörigen Gummisaugern. Keinen Kaffee, keine Kundenkarte, und erst recht keine Durchleuchtung meiner persönlichen Daten. Aber das jetzt mit ihr auszudiskutieren, erschien mir wenig erfolgversprechend. Weil ich aber, und das ja wohl mit Recht, annehme, insoweit nicht der Wahrheitspflicht zu unterliegen, spielte ich diesmal mit. Ich wollte ihr doch wenigstens eine kleine Freude machen. 0-1-9-6-8 gab ich als Postleitzahl an. Reine Phantasie. Aber ihr hat das genügt. Sie lächelte, tippte die Zahlen ein, ich bezahlte und sie verpackte den Karton in einer Tragetüte. Eine Werbezeitschrift mit dem Fernsehprogramm der nächsten Woche gab es gratis dazu.
Wieder zu Hause eingetroffen, habe ich dann geforscht, welchen Ort ich denn zufällig ausgewählt hatte. 01968 ist die Postleitzahl von Senftenberg, das sich mit mehreren Ortsteilen um den Senftenberger See herum erstreckt. Senftenberg liegt im eher strukturschwachen Bundesland Brandenburg. Da habe ich doch eine gute Wahl getroffen. Ob ich diese Postleitzahl jetzt immer angebe, wenn ich mich aus den Klauen der Marktforschung befreien muss? Dann bliebe nur noch abzuwarten, wie lange es dauert, bis die Statistiker deswegen in der Region Senftenberg hohe Kaufkraftreserven vermuten. Vielleicht siedeln sich Handel und Industrie dann verstärkt dort an. Einkaufzentren schießen wie Pilze aus dem Boden, dazu Hotels und Gaststätten, Freizeiteinrichtungen, vielleicht sogar Kaffeegroßröstereien. Eigentlich schade, dass ich Senftenberg gar nicht kenne.
Senftenberg auf Google-Maps ansehen.
Sonntag, 20. Mai 2007
Bin ich denn blöd?
Ich habe mir einen neuen mp3-Player geleistet. Lange hatte ich danach Ausschau gehalten, bisher aber noch nicht das Passende gefunden. Gestern lag ein Prospekt in der Zeitung. Das war ein wirkliches Schnäppchen, und nach kurzem Googeln schien das ein Treffer zu sein. Ein paar Fragen hatte ich zwar noch, aber die wollte ich im Laden klären. Also nichts wie hin. Die Kartons lagen massenweise im Regal. Reinschauen durfte man nicht. Alles versiegelt und mit Packbändern umschnürt. Die Beschreibung auf der Packung war mikroskopisch klein, aber mit angestrengtem Augenkneifen und unter voller Ausnutzung der Armlänge eines Altersweitsichtigen konnte ich sie schließlich doch entziffern. Was ich mir hätte sparen können, weil meine Fragen damit nicht beantwortet waren.
Also noch einmal tief durchgeatmet, und dann rein ins Abenteuer. Ich sprach einen Verkäufer an.
Ob der Player auch unter meinem PC-Betriebssystem laufe, wollte ich wissen. Auf der Packung sei das nicht erwähnt. Der hochmotivierte Elektronikfachverkäufer beriet mich: "Müsste eigentlich." Müsste! Bloß nicht festlegen. Der Mann hat das Zeug zum Politiker. Aus dem kann noch was werden. Als er merkte, dass mich seine Auskunft nicht zufrieden gestellt hatte, wusste er die Lösung. Wie sich das für einen Politiker gehört. "Wenn das nicht geht, können Sie ihn ja zurück bringen." Eigentlich hat er ja Recht. Wir Deutsche sollen uns schließlich mehr bewegen. Wegen der Gesundheit. Und um mich zu beruhigen (durch und durch Politiker, der Mann) fügte er hinzu: "Wird schon. Das Teil ist voll krass." Das war doch mal ein überzeugendes Argument. Sprachlich zwar unüblich, denn an ein "voll krass" schließt sich nach dem Regelwerk der neuen deutschen Umgangssprache zwingend ein "Alter" an. "Das Teil ist voll krass, Alter," hätte er sagen müssen. Er war sich aber wohl nicht sicher, ob ich ihm den "Alten" übelgenommen hätte. Da hat er ihn vorsichtshalber weggelassen. Man muss schließlich nicht alles sagen, was man denkt. Als Nachwuchspolitiker schon gar nicht.
In mir regten sich Zweifel, ob ich da an den richtigen Mann geraten war. Aber ich hatte keine andere Wahl. Außerdem hatte er viel zu tun. Ich war schließlich nicht der einzige, um den er sich kümmern musste. Dabei durfte ich ihn doch nicht stören. Eins traute ich mich aber doch noch zu fragen. Warum denn kein Ladegerät in der Packung sei. "Egal, lädt über USB." Tut mir leid für ihn, aber ich muss schon wieder unzufrieden ausgesehen haben. "Wenn Sie viel unterwegs sind, gibt es Ladegerät extra zu kaufen," beriet er mich. Ohne ihn näher über meine Reisegewohnheiten aufzuklären, fragte ich nur: "Wie teuer?" "Noinnoinunnoinzich." Auf mein "In Ordnung, dann nehme ich das gleich mit" gab er mir noch ein kleines Überraschungspäckchen dazu. Artig dankend trat ich damit ab, an die Kasse.
Zu Hause entpuppte sich der mp3-Player wirklich als Glückskauf. Funktioniert einwandfrei, wird vom PC erkannt und lässt sich sogar wie ein Laufwerk ohne zusätzliche Software beladen. Das habe ich gleich beim ersten Anschließen an den PC untersucht. Sowas wollte ich haben.
Dann holte ich das Ladegerät aus dem Karton und wollte sein Kabel mit der USB-Buchse des mp3-Players verbinden. Das ging aber nicht. Auf der Packung las ich jetzt: "USB-Anschluss (weiblich)". Wer denkt sich bloß solche Begriffe aus? Aber wenigstens habe ich an diesem praktischen Beispiel gelernt, was damit gemeint ist. Wenn am mp3-Player eine Buchse ist, genauso aber auch am Ladegerät, dann passt das nicht zusammen. Denn es fehlt etwas zum Reinstecken.
So wird es also doch noch etwas mit meiner Bewegung. Ich muss zurück ins Fachgeschäft, um das Ladegerät umzutauschen. Wie der Verkäufer wohl reagieren wird, wenn ich ihm mitteile, mit der weiblichen Ausführung könne ich nichts anfangen, ich bräuchte einen Mann? Immerhin hat er mir das falsche Gerät selbst in die Hand gedrückt. Ob er den Unterschied vielleicht gar nicht kennt? Aber da unterschätze ich ihn ganz bestimmt. Schließlich ist er Fachverkäufer in einem großen Elektronikmarkt. Der ist doch nicht blöd.
Also noch einmal tief durchgeatmet, und dann rein ins Abenteuer. Ich sprach einen Verkäufer an.
Ob der Player auch unter meinem PC-Betriebssystem laufe, wollte ich wissen. Auf der Packung sei das nicht erwähnt. Der hochmotivierte Elektronikfachverkäufer beriet mich: "Müsste eigentlich." Müsste! Bloß nicht festlegen. Der Mann hat das Zeug zum Politiker. Aus dem kann noch was werden. Als er merkte, dass mich seine Auskunft nicht zufrieden gestellt hatte, wusste er die Lösung. Wie sich das für einen Politiker gehört. "Wenn das nicht geht, können Sie ihn ja zurück bringen." Eigentlich hat er ja Recht. Wir Deutsche sollen uns schließlich mehr bewegen. Wegen der Gesundheit. Und um mich zu beruhigen (durch und durch Politiker, der Mann) fügte er hinzu: "Wird schon. Das Teil ist voll krass." Das war doch mal ein überzeugendes Argument. Sprachlich zwar unüblich, denn an ein "voll krass" schließt sich nach dem Regelwerk der neuen deutschen Umgangssprache zwingend ein "Alter" an. "Das Teil ist voll krass, Alter," hätte er sagen müssen. Er war sich aber wohl nicht sicher, ob ich ihm den "Alten" übelgenommen hätte. Da hat er ihn vorsichtshalber weggelassen. Man muss schließlich nicht alles sagen, was man denkt. Als Nachwuchspolitiker schon gar nicht.
In mir regten sich Zweifel, ob ich da an den richtigen Mann geraten war. Aber ich hatte keine andere Wahl. Außerdem hatte er viel zu tun. Ich war schließlich nicht der einzige, um den er sich kümmern musste. Dabei durfte ich ihn doch nicht stören. Eins traute ich mich aber doch noch zu fragen. Warum denn kein Ladegerät in der Packung sei. "Egal, lädt über USB." Tut mir leid für ihn, aber ich muss schon wieder unzufrieden ausgesehen haben. "Wenn Sie viel unterwegs sind, gibt es Ladegerät extra zu kaufen," beriet er mich. Ohne ihn näher über meine Reisegewohnheiten aufzuklären, fragte ich nur: "Wie teuer?" "Noinnoinunnoinzich." Auf mein "In Ordnung, dann nehme ich das gleich mit" gab er mir noch ein kleines Überraschungspäckchen dazu. Artig dankend trat ich damit ab, an die Kasse.
Zu Hause entpuppte sich der mp3-Player wirklich als Glückskauf. Funktioniert einwandfrei, wird vom PC erkannt und lässt sich sogar wie ein Laufwerk ohne zusätzliche Software beladen. Das habe ich gleich beim ersten Anschließen an den PC untersucht. Sowas wollte ich haben.
Dann holte ich das Ladegerät aus dem Karton und wollte sein Kabel mit der USB-Buchse des mp3-Players verbinden. Das ging aber nicht. Auf der Packung las ich jetzt: "USB-Anschluss (weiblich)". Wer denkt sich bloß solche Begriffe aus? Aber wenigstens habe ich an diesem praktischen Beispiel gelernt, was damit gemeint ist. Wenn am mp3-Player eine Buchse ist, genauso aber auch am Ladegerät, dann passt das nicht zusammen. Denn es fehlt etwas zum Reinstecken.
So wird es also doch noch etwas mit meiner Bewegung. Ich muss zurück ins Fachgeschäft, um das Ladegerät umzutauschen. Wie der Verkäufer wohl reagieren wird, wenn ich ihm mitteile, mit der weiblichen Ausführung könne ich nichts anfangen, ich bräuchte einen Mann? Immerhin hat er mir das falsche Gerät selbst in die Hand gedrückt. Ob er den Unterschied vielleicht gar nicht kennt? Aber da unterschätze ich ihn ganz bestimmt. Schließlich ist er Fachverkäufer in einem großen Elektronikmarkt. Der ist doch nicht blöd.
Samstag, 12. Mai 2007
In vino veritas
Vor Stunden hatte ich die Weinflasche entkorkt. Rotwein muss atmen, um sich zu entfalten. Vorher sollte man ihn nicht trinken, sonst hat man keine Freude daran. Und das soll man ja. Steht so in der Bibel. Im Alten Testament wird der Schöpfer dafür gepriesen, „dass der Wein erfreue des Menschen Herz“ (Psalm 104, 14 f). Mein Bordeaux war offensichtlich nicht fromm, denn der machte sich gestern Abend ganz unfreundlich mit seiner Flasche selbstständig und fiel um, ganz von allein. Und dann lief er über den Tisch und runter auf den Teppich. Ich lief in die Küche und holte mir meinen gesamten Salzvorrat. Alter Hausfrauentipp: Auf Rotweinflecken sofort Salz streuen. Hat auch über Nacht gewirkt. Das Salz hat einiges vom Rotwein aufgesogen. Aber Flecken sind trotzdem geblieben. Auf dem Aufkleber unter meinem Teppich steht als Farbe: bordeaux. Wenn der Wein bordeaux ist und der Teppich auch, dürfte es aber doch gar keine Flecken geben. Das wäre doch eigentlich logisch. Irgendwas stimmt da nicht. Entweder ist der Teppich nicht bordeaux oder nicht der Wein. Man darf eben nicht alles glauben, was geschrieben steht. Das hat mich der verschüttete Wein gelehrt. Im Wein steckt bekanntlich immer auch ein wenig Wahrheit. In vino veritas.
Sonntag, 29. April 2007
Der Name der Kaffeebohne
Die Skulptur "Liegende" auf dem Familiengrab Tschilinghiryan schuf der Bildhauer Richard Kuöhl 1927.
Erwähnenswert ist auch die Inschrift auf dem Grabmal (wohl:) der Eltern:
ICH DACHTE HIN ICH DACHTE HER,
UM GLÜCK FÜR DICH ZU WERBEN
NUR AN DAS EINE DACHT ICH NICHT,
DASS DU MIR KÖNNTEST STERBEN
Familiengrabstelle Tschilinghiryan auf Google-Maps ansehen.
*******
Quellen:
http://www.markenlexikon.com/produkte_t.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Tchibo
http://www.tchibo.com
http://www.friedhof-hamburg.de/ohlsdorf/spazierg/prominente.htm
Labels:
Fotografie,
Hamburg,
Ohlsdorfer Friedhof
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